Wer kann schon von sich behaupten, ein Gemüse sein eigen nennen zu können? Noch dazu ein Edelgemüse, welches mit stolz den städtischen Namen trägt? Teltow kann dies behaupten - und das schon sehr lange. Hier erfahren Sie mehr über die brandenburgische Delikatesse, die in der Herbst- und Wintersaison in aller Munde ist.


Klein aber fein

Das Teltower Rübchen ist eine überregional bekannte Delikatesse, die speziell in der Stadt Teltow angebaut wird. Die Herkunft des besonderen Gemüses liegt weitestgehend im Dunkeln. Es könnte von flämischen oder sächsischen Bauern im 12. oder 13. Jahrhundert aus ihrer Heimat mitgebracht worden sein. Aber auch eine gezielte Züchtung durch Zisterziensermönche ist nicht ausgeschlossen. In unserer Region wieder zunehmend angebaut und angeboten, eroberte es mit seinem unverwechselbaren, pikanten Wohlgeschmack in den vergangenen Jahren mehr und mehr die Speisekarten der Gastronomen und der Privathaushalte zurück. Außer in Deutschland werden Rüben in der Schweiz angebaut und finden auch vereinzelt den Weg in den Supermarkt. Die Stadt Teltow, sich ihrer „Wurzeln" bewusst , unterstützt und fördert materiell wie ideell das Rübchen und seinen Freundeskreis. Die Wortmarken "Rübchenstadt Teltow" und "Teltower Rübchen" wurden gemäß Eintrag der Deutschen Markenverlängerung AG erstmals am 31.08.2001 angemeldet. Aktuell wurde die Schutzdauer beider Wortmarken bis zum 31.08.2021 verlängert. Nach dem jüngsten Registerstand ist die Marke „Rübchenstadt Teltow“ für insgesamt 12 Waren- und Dienstleistungsklassen eingetragen, „Teltower Rübchen“ genießt in sieben Klassen Schutz. Alljährlich findet anlässlich der ersten Rübchenernte der Saison am letzten Sonntag im September ein Rübchenfest mit buntem Programm statt.

Geschichte des Rübchens

Das Teltower Rübchen wurde bereits zur Zeit der Landnahme im 13. Jahrhundert in der Mark Brandenburg angebaut. Es galt zunächst als das Essen armer Leute. Die Bauern auf den kargen Sandböden des Landschaftsplateaus 'Der Teltow' hatten spätestens seit dem 17. Jahrhundert im Anschluss an die Getreideernte noch selbst vermehrte Samen der Rübchen ausgebracht, um im Winter zusätzliche Nahrung zu haben. Erste Nachrichten über einen verbreiteten Anbau gibt es aus der Zeit des Großen Kurfürsten. Schon damals wurde die besonders wohlschmeckende Rübe mit dem Namen der Stadt Teltow in Verbindung gebracht. Wenig später schon, waren die Rüben als Delikatesse an den herrschaftlichen Höfen bekannt. Berühmte Königs- und Fürstenhäuser, Dichter und Philosophen wie Goethe und Kant ließen sich die Rübchen auf den einst beschwerlichen Transportwegen in Holzfässern liefern. Auf diese Weise wurde das Teltower Edelgemüse berühmt. Als dann Napoleons Truppen Anfang des 19. Jahrhunderts die Preußen besiegten, brachten sie auch Teltower Rübchen als "navets de Teltow" ("Kohlrüben aus Teltow") an den Hof des Kaisers. Auch Johann Wolfgang Goethe ließ sich die eigentümlichen Gewächse von seinem Berliner Freund Zelter über viele Jahre hinweg nach Weimar schicken. Seine Briefe an Zelter strotzen vor überschwänglicher Begeisterung: "...zu unserer Danknehmigkeit sind die köstlichen Rübchen angelangt; sie behaupten auch diesmal ihre alten Tugenden", schrieb er. Zu Beginn der Industrialisierung ging auch der Anbau der Rübchen zurück, weil niemand mehr für einen Mindestlohn auf dem Feld schuften wollte. Doch bevor entsprechende Maschinen entwickelt waren, änderte sich die Landwirtschaftsstruktur grundlegend, denn aus Kleinbetrieben wurden während der DDR-Zeit Genossenschaften, für welche der Anbau eines Produktes in relativ kleinen Mengen nicht lohnte. Allein den Hobbygärtnern ist es zu verdanken, dass die 300-jährige Kontinuität des Anbaus nicht abriss. Heute erlebt das Teltower Rübchen seine Renaissance.

Förderverein für das Teltower Rübchen

Das Teltower Rübchen (Brassica rapa var. rapa) ist eine brandenburgische Spezialität. Es gehört innerhalb der Kohlgewächse in die Gruppe der Speiserüben, zusammen mit den Mairüben, Herbstrüben, Wasser- und Weißen Rüben. Es wird erst im August gesät und ist daher zur Ernte ab Oktober klein, nur 2 bis 4 cm dick. Das echte Teltower Rübchen ist gelblich, hat deutliche Längs- und Querriefen und feine seitliche Wurzeln. Es ähnelt äußerlich eher der Pastinake oder Petersilienwurzel als den anderen Rüben, unterscheidet sich aber deutlich im Geschmack. Auch am Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Großbeeren wurde der typische Geschmack festgestellt. Er lässt sich klar von anderen Rüben wegen der einzigartigen Mischung aus Süße und Schärfe, Kohlrüben- und Rettichnote und einem bestimmten mehligen Mundgefühl trennen. Messen lassen sich aber der sehr hohe Saccharosegehalt (Rübenzucker) (4 bis 5 g/100 g in anderen Speiserüben oft unter 1 g), der hohe Feststoffgehalt (15 bis 20 %, in anderen Rüben um 10 %) und der hohe Glucosinolatgehalt. Das sind die typischen, oft scharf schmeckenden Stoffe in vielen Kohlgemüsen. In Teltower Rübchen finden sich doppelt so hohe Gehalte (800 mg/100 g) wie in anderen Rüben. Dank seines pikanten Geschmacks gleichsam in den kulinarischen Adelsstand erhoben, kultivierten die Teltower Rübchenbauern über viele Generationen ihre Saatgut- und Anbau-Erfahrungen. An diese Tradition knüpft der „Förderverein für das Teltower Rübchen" an. In dem am 15. Mai 1999 gegründeten Verein sind die Freunde des edlen Wurzelgemüses organisiert. Die Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, das originale Produkt und Saatgut zu schützen und zu mehren, den Anbau weiter zu beleben und die Verbreitung des Teltower Rübchens zu neuer Blüte zu führen. Zu den Eigenschaften und dem Anbau des Teltower Rübchens heißt es in der Satzung des Vereins:

  • Seine Gestalt ist kegelförmig, schlank, spitz auslaufend mit einer langen Hauptwurzel und feinen Nebenwurzeln.
  • Die Größe variiert erheblich, doch der Hauptteil des Erntegutes hat an der dicksten Stelle einen Durchmesser von 1,5 bis 2,5 cm und eine Länge, die dem drei- bis vierfachen des Durchmessers entspricht.
  • Seine Farbe ist nach dem Waschen grau-weiß bis beige, wird in diesem Zustand beim Liegen an der Luft dann aber relativ schnell und ungleichmäßig dunkler.
  • Der Geschmack ist pikant und von milder Schärfe, die im Rohzustand deutlich wahrgenommen werden kann.
  • Sein Geruch prägt sich erst beim Putzen kräftig aus.
  • Die Konsistenz ist im Rohzustand fest bis hart und wird deshalb beim mäßigen Kochen nicht gleich weich, bleibt noch angenehm bissfest.
  • Sein Anbau ist von besonderer Bedeutung. Nur auf geeignetem Boden - wie es ihn im nordwestlichen Teil Teltows gibt, auf Sand oder lehmigem Sand, der relativ nährstoffarm und locker ist - bleibt das Rübchen kleinwüchsig und entwickelt den charakteristischen Geschmack.
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